charlie

Charlie             Smokey

Meine "Amerikaner"

Ich wollte mir zu dem damaligen Zeitpunkt keine Tiere anschaffen. Ein halbes Jahr lang war ich also "Katzenfrei".Eines Tages aber sah ich in meiner Nachbarschaft einen rot-weißen Kater. Die "Roten" hatten es mir schon immer angetan.Er saß stundenlang vor einem Haus und miaute kläglich. Da ich die Bewohnerin flüchtig kannte fragte ich sie dann, ob der Kater zu ihr gehöre. Sie sagte, dass "Charlie" zwar ihr gehöre, sie aber jetzt einen Hund habe (eine riesige, nicht allzu freundliche Dogge) und "Charlie" deswegen nicht mehr ins Haus rein könne. "Na Klasse" dachte ich mir. So ein Sauwetter, kalt und nass, und der arme Kerl hockt Tag und Nacht draussen. "Wenn du ihn haben willst ....... nimm ihn mit. Ich kann ihn nicht mehr gebrauchen" So kam ich zu "Charlie".

Er war ein "Schmuseweltmeister", lieb und anhänglich. Rauslassen konnte ich ihn nicht, da "streunende" Tiere regelmäßig eingefangen und ins Tierheim gebracht wurden. Wenn sie dann nicht innerhalb von ein paar Tagen vom Besitzer abgeholt oder von jemandem adoptiert wurden, wurden sie eingeschläfert. Egal ob Mischling oder Rassetier, egal ob jung oder alt, schön oder hässlich. In Amerika ist das Tier leider noch mehr "Wegwerfware" als hier bei uns in Deutschland. "Charlie" fühlte sich aber auch ohne Auslauf sehr wohl. Er war so ein lustiger Kerl und ich liebte ihn heiss und innig.

Ein paar Monate später bekamen wir neue Nachbarn. Sie hatten einen kleinen Karthäuserkater namens "Smokey". Um die Weihnachtszeit herum wunderte ich mich, dass ich meine Nachbarn tagelang nicht zu Gesicht bekam. Später stellte sich dann heraus, dass sie verreist waren, ohne dafür zu sorgen, dass ihre Tiere (sie hatten auch noch einen Wellensittich) versorgt wurden. Als sie endlich nach Hause kamen, war der Wellensittich tot (erfroren, da die Heizung abgestellt gewesen war und die Aussentemperatur bei minus20 Grad lag) und Smokey war ausgehungert. Sie teilten uns dann mit, dass sie wieder ausziehen würden und fragten uns, ob wir Smokey haben wollten. Nach kurzem Überlegen sagte ich ja, denn wo einer Platz hat, passt auch noch ein Zweiter rein!! *g*

CharlieundSmokey

Charlie und Smokey verstanden sich auf Anhieb. Sie machten fast alles gemeinsam und waren unzertrennlich.

Und neugierig waren sie auch!! :-)

Eines Tages war Charlie unauffindbar. Schließlich entdeckte ich ihn zusammengekauert hinter einer Couch. Nach etlichen Tierarztbesuchen stellte sich dann heraus, dass er Leukose hatte. Ich hatte noch nie zuvor davon gehört, dass auch Katzen diese Krankheit bekommen können. Viel Hoffnung machte mir der Tierarzt nicht, aber gleich einschläfern wollte er ihn auch nicht. Ich nahm meinen todkranken "sunshine", wie ich ihn manchmal nannte, wieder mit nach Hause.Etwa 2 Tage später merkte ich, dass Charlie nicht richtig atmen konnte. Der Tierarzt riet mir, sofort in die Praxis zu kommen. Liebend gerne hätte ich das auch gemacht. Nur ...... mein Mann war nicht zu erreichen und von den Nachbarn war auch niemand zuhause. Bei allen Taxiunternehmen die ich anrief hieß es : "Tiere transportieren wir nicht, sorry". Eine Freundin, die ich dann doch erreichen konnte, kam vorbei. Aber es war zu spät. Charlie war jämmerlich erstickt. Nie wieder möchte ich mitansehen müssen, wie sich ein Tier unnötig quält. Hätte ich ihn einschläfern lassen, wäre ihm ein solcher Tod erspart geblieben. Diesen Vorwurf mache ich mir auch heute noch.

Smokey vermisste seinen Kumpel sehr.

Als ich Ende 1985 zurück nach Deutschland ging, nahm ich Smokey natürlich mit!! Er musste leider im Gepäckraum des Flugzeuges mitfliegen. Das war einer der Gründe, warum ich eigentlich keine Tiere haben wollte. Aber, da Smokey irgendwie mitfliegen musste, mussten wir eben beide da durch. Und er überstand den Flug auch sehr gut. Wir verbrachten fast 2 1/2 Jahre in Deutschland. Smokey war nie krank, abgesehen von einer Vergiftung die er sich durch eine Zimmerpflanze zuzog. Sie wäre ihm fast zum Verhängnis geworden. Nur durch zahlreiche Spritzen, die ihm der Tierarzt den Tag und den Abend über verpasste (es waren ca. 12-14 Spritzen), konnte er gerettet werden. Und ich stand Todesängste aus, wollte ich doch nicht schon wieder ein Tier begraben müssen. Smokey überlebte und die Zimmerpflanze flog in hohem Bogen aus dem Fenster!!!!! Wieder hieß es "Koffer packen". Dieses mal ging´s auf nach Texas!! Armer Smokey, schon wieder stundenlang eingesperrt in seiner Box. Aber alles verlief glatt und kurz nach unserer Ankunft in Texas bezogen wir unsere neue Bleibe. Dort spazierte dann nach einiger Zeit eine schneeweiße Katze in meine Wohnung ......."Emma" (siehe: "Meine Tiger"). Die beiden verstanden sich sehr gut und so hatte ich also wieder 2 Katzen, die ich bei meiner Rückkehr 1990 nach Deutschland natürlich mitnahm.

Die Wohnungssituation in "Good old Germany" hatte sich durch die Maueröffnung zu einer Art Kampfsport entwickelt. Es war fast nichts zu kriegen, schon gar nicht mit Tieren. So wohnte ich fast ein halbes Jahr mit meinen Katzen bei meinen Eltern. In dieser Zeit gewöhnten sich Smokey und Emma an, täglich einen kleinen Spaziergang im Garten zu machen. Eines Tages aber entwischte Smokey durch die Haustür und lief auf der Strasse herum. Ich war im Haus, als ich plötzlich kreischende Bremsen hörte. So schnell ich auch nach draussen lief ... von einem Auto war nichts mehr zu sehen und von einer Katze schon gar nicht. Also beruhigte ich mich wieder. Kurze Zeit darauf tauchte Smokey in der Küche auf und verkroch sich in eine Ecke. Er war offensichtlich geschockt, aber unverletzt. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ein paar Stunden später wurde er sehr unruhig und lief immer zum Katzenklo, hockte sich rein ...... aber es tat sich nichts! Also ........ auf zum Tierarzt. Der stellte bei Smokey einen Schwanzwirbelbruch fest. Das Auto muss wohl über Smokey´s Schwanz gefahren sein, in dem Moment wo er weglaufen wollte. Durch diesen Bruch waren Blasen- und Darmnerven durchtrennt worden und Smokey hatte keine Kontrolle mehr über diese Funktionen. Der Tierarzt meinte aber, dass in solchen Fällen die Nerven oft wieder zusammenwachsen würden. Ich müsste ihn aber wohl in nächster Zeit öfters kathetrisieren lassen bzw. im einen Einlauf machen. Mein armer Smokey!! Die nächsten Tage wurden sehr schlimm. Er hatte einen "Dauerkatheter" damit der Urin abfliessen konnte. Ich verbrachte die Nächte mit ihm im Badezimmer, weil er ja ständig Urin verlor und ich ihn nicht mit in mein Zimmer nehmen konnte. Viel geschlafen hab ich in diesen Tagen nicht. Dann trat so langsam eine Besserung ein. Der Katheter konnte raus!!!!! Aber kontrollieren konnte Smokey seine Blase bzw. seinen Darm immer noch nicht. Es lief, bzw. fiel einfach alles heraus wo er gerade saß, lag oder stand. "Es kann bis zu einem halben Jahr dauern" sagte mir der Tierarzt. Ich gab die Hoffnung also nicht auf. Meine Mutter konnte diese Verunreinigungen verständlicherweise nicht länger ertragen und ich setzte alles in Bewegung, um eine Wohnung zu finden!!

Es war nicht gerade einfach, zumal ich eine Bleibe in einem Ort suchte, der ca. 400 km entfernt war. Ich nahm das Erste, was zu kriegen war. Unter anderen Umständen hätte ich eine Wohnung, die mit Möbeln, Tapeten und Teppichen aus den 70er Jahren bestückt war, wohl nicht genommen. Aber für Smokey war dieses Opfer nicht zu groß. An seinem Zustand änderte sich nichts. Da er sich aber trotzdem wohl fühlte, brachte ich es nicht fertig, ihn einschläfern zu lassen.Irgendwie schaffte ich es auch, dass die Wohnung nicht allzusehr nach Katzenpippi roch. Auf seinen Lieblingsplätzen verteilte ich Tücher und Decken die ich regelmäßig waschen konnte. Nur der Teppichboden war ein Problem. Aber auch das brachte ich irgendwie auf die Reihe. Jetzt mag manch einer denken "Igitt, was für eine Schweinerei". Sicher, angenehm war es nicht. Aber ich liebte diesen kleinen Stinker heiss und innig und da er nicht unter seiner Situation litt, gab es keinerlei Grund, ihn einschläfern zu lassen..Dann stellten sich erneut Probleme ein. Wir waren mittlerweile in ein kleines Häuschen umgezogen, zwar ohne Garten, aber mit PVC und Fliesen, die ich wischen konnte!! Was für ein Segen!!! :-) Bei Smokey aber füllte sich die Blase wieder und er musste erneut einen Katheter gelegt bekommen. Die Ursache dieses Mal waren Harnsteine. Therapien wie Futterumstellung, Bestrahlungen bis hin zu einer OP brachten keine Besserung. Zwar floss der Urin wieder von alleine ab, aber ich merkte, dass Smokey nicht mehr wollte. Er hatte genug.

Ich brachte es nicht fertig, ihn einschläfern zu lassen. Heulend fuhr ich ihn zum Tierarzt, heulend saß ich im Auto, während mein damaliger Mann mit ihm in der Praxis verschwand. Heulend fuhr ich zurück nach Hause. Bis heute habe ich es mir nicht verziehen, dass ich meinen kleinen Freund diesen Weg hab alleine gehen lassen. Aber damals konnte ich einfach nicht dabeisein!!! Ich hätte ihn stattdessen wieder in seine Box gepackt und mit nach Hause genommen. So aber hielt ich wenigstens mein Versprechen, keins meiner Tiere länger leiden zu lassen als unbedingt nötig. Da wir keinen eigenen Garten hatten, holte meine Mutter "Smokey" ab und begrub ihn in ihrem Garten, wo nun schon so manche Katze von uns ihre letzte Ruhestätte gefunden hat.

 

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